Der Handywecker
Der Handywecker ist was ganz Zuverlässiges. Der weckt einen auch, ob man nun Urlaub hat oder Feiertag ist oder die Welt untergeht. Ist ja auch irgendwie schön, wenn man im Urlaub um 4:10 Uhr geweckt wird und den Wecker einfach (quasi im Schlaf) ausstellen und noch 2,5 Stunden schlafen kann. Das Handy liegt in Griffweite auf dem Nachtschränkchen und spielt ein nettes, ruhiges Liedchen von Schiller. Normalerweise.
Heute Morgen um 4:10 Uhr werde ich wach und höre Musik. Wer hört denn um die Zeit so laut Musik??? Blöde Nachbarschaft. Und so ausdauernd. Wird immer lauter. Bis ich endlich begreife, dass das mein Wecker ist. Aber irgendwas stimmt nicht. Hört sich anders an als sonst, das hätte ich normalerweise auch gleich erkannt. Das Handy liegt nicht neben mir auf dem Nachtschränkchen. Und vor allem: es wird lauter, lauTER, LAUTER. Denn es hat ja da diese Funktion. Aufsteigend heißt das, glaube ich. Was bei mir steigt, ist erst mal der Blutdruck.
Ich renne also los, immer der Musik entgegen. Die Richtung ist ganz klar zu erkennen. Das tönt ja quasi so laut wie ein Symphonieorchester. Hab ich das gestern Abend in den Wäschekorb geworfen? Wühle in der Wäsche, rechts, links, rechts, links. Nein, hier ist es nicht. Aber jetzt weiß ich. Es blökt aus dem Schrank. Ich habe es in der Jeans gelassen, die ich in den Schrank gehängt habe. Schon mal was von Schallkörper gehört? Ich habe einen großen Schrank.
Endlich halte ich das Wecker-Handy-Dings in der Hand und das, was ich normalerweise im Schlaf beherrsche, nämlich das richtige Knöpfchen drücken, das funktioniert jetzt nicht. Wichie wild drücke ich auf der Tastatur rum, die über Nacht jegliche Funktion verloren zu haben scheint. Ich befürchte, die haben, eine Tastensperre eingebaut. Wenn man nicht nach 4,28 Sekunden den richtigen Knopf gedrückt hat, dann ist die Tastatur für die nächsten 5 Minuten gesperrt. Und es wird LAUTER, LAUTER, LAUTER. Dieses scheiß Lied von Schiller explodiert geradezu durch mein Schlafzimmer. Ich halte das Handy unter die Bettdecke, um den Lärm zu unterdrücken. Das Handy lacht nur und quäkt weiter ohrenbetäubend. Und noch immer hacke ich panisch auf der Tastatur rum.
Aus irgendeinem Grund versuche ich die Tastensperre, die ich fast immer drin habe, zu entsperren. Nicht, dass das den Wecker aus machen würde. Keine Ahnung wieso ich das versuche, aber auch das gelingt mir nicht. Drücken sie Entsperren sagt das Display. Mach ich ja. MACH ICH JA! Irgendwann dann nach gefühlten 30 Minuten und 380 dB ist auf einmal Ruhe. Ahhh, himmlische Ruhe. Ich habe den geheiligten Knopf aus Versehen gedrückt. Nun guckt mir das Foto vom Tobi entgegen und fragt mich, ob ich den Wecker aus stellen will oder ob ich schlummern möchte. Schlummern, nach der Aktion. Und in 9 Minuten geht das Werkzeug Luzifers wieder los. Nix da, aus. Ich sinke erschöpft wieder ins Bett.
Und einen schönen guten Morgen, liebe Nachbarn. ![]()
3 comments
Donnerstag, 13. September 2007, 8:56 Uhr |
kobalt |
Allgemein, Tagesschau, Technikecke |



Du schreibst ja wirklich fleißig, und das fast noch mitten in der Nacht.
Das wird sich nächste Woche ganz schnell relativieren…
[...] Sonntagabend bat ich Tobi in meinem Handy, das ich ja im Schlaf beherrsche, eine andere Weckzeit einzustellen. Das tat er auch. Nur was ich ihm nicht gesagt hatte, was er [...]