Perlendrehen Teil 2 – das Glas
Das Wichtigste ist natürlich das Glas. Die Glasstäbe kann man speziell zum Perlendrehen kaufen. Sie werden von diversen Firmen in Italien, Sachsen, Thüringen, den USA und sonstwo hergestellt. Sie sind zwischen 2 und 10 mm im Durchmesser und meistens auf etwa 30 cm Länge zugeschnitten. Es gibt unglaublich viele Farben und Farbschattierungen, transparente, halbtransparente oder opake (undurchsichtige) Farben. Dann gibt es auch Farben, die sich bei der Verarbeitung verändern, mit viel Sauerstoff oder ohne. Oder bei bestimmten Temperaturen. Oder opakes Glas ist mit transparentem Glas umschmolzen. Oder sonstwas. Die Preise variieren dann auch mit den verschiedenen Gläsern. Nach oben fast keine Grenzen. Und glaubt mir, ein Perlendreher braucht fast jedes Glas in solcher Menge, dass es ihm auch niemals aus geht. Kann ja nicht angehen, dass man grasgrün transparent mittel braucht und nur grasgrün transparent hell hat.
Der Tag ist gelaufen. ![]()
Das Glas gibt es dann nicht nur in Stangen, sondern auch noch in diversen “Körnungen”, um die Perlen damit zu verzieren. Von Mehl bis Brocken.
Aber nicht, dass ihr denkt, man könnte jetzt jedes Glas einfach so mit jedem Glas verarbeiten. Weit gefehlt. Da gibt es den berühmten Ausdehnungskoeffizienten, AK genannt. Und der muss bei den Gläsern, die man zusammen verarbeitet, möglichst gleich sein, sonst… KNACK! Die Perle zerspringt in zwei bis tausend Teile oder hat zumindest hässliche Risse.
Das passiert aber erst, wenn man stundenlang dran rum gearbeitet hat und die Perle nach dem Abkühlen aus dem Granulat holt oder beim Säubern. Oder noch später. Aber irgendwann macht es dieses hässliche leise Knacken, dass jedem Perlendreher die Nackenhaare zu Berge stehen lässt. Und es trifft immer die Schönsten.
Nun sollte man annehmen, wenigstens die Gläser einer Firma sollen doch untereinander kompatibel sein, aber nicht mal das ist unbedingt der Fall. Jeder “Hafen”, das ist die Menge Glas, die in so einem Ofen hergestellt wird, ist ein bisschen anders. Und dann kann es schon mal vorkommen, dass das Erbsengrün auf einmal nicht mehr mit dem Kobalt Transparent (AHA!!!) der neuen Charge zusammen will und dies in hässlichen Rissen in der fertigen Perle zum Ausdruck bringt. So lange sie schön warm sind, tun sie so, als wären sie die besten Kumpel. Miststücke!
Oder beim Ziehen der Stangen wird versehentlich Luft mit eingeschlossen. Das sind dann die sogenannten Knallchargen. Die Stangen braucht man nur in die Nähe einer Flamme zu bringen und schon fliegt einem das Glas wie ein Feuerwerk um die Ohren.
Hört sich alles kompliziert an? Na ja, ein bisschen. Aber solche Sachen sprechen sich recht schnell in den einschlägigen Foren rum und dann weiß man halt, dass man dies und das momentan besser nicht zusammen bringen sollte. Die meisten Sachen passen schon.
Perlendrehen Teil 3 – das Zubehör
Perlendrehen Teil 4 – in der Flamme
Perlendrehen Teil 5 – die Nacharbeit und Allgemeines

2 comments
Samstag, 6. Oktober 2007, 8:10 Uhr |
kobalt |
Allgemein, aus Glas |



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