Heute ist nun der lang ersehnte Sonntag, an dem man den Sperrmüll vor die Tür stellen darf. Morgen wird das, was noch übrig ist, von der Müllabfuhr abgeholt. Ich glaube es reicht, wenn die die Straßen noch mal mit einem Pritschenwagen abfahren. Für das, was übrig bleibt, müssen die echt nicht so ein großes Müllauto anschmeißen.

Meine Befürchtungen, dass unsere osteuropäischen Nachbarn in diesem Jahr nicht unseren Müllkalender erhalten haben, haben sich zum Glück nicht bestätigt. Pünktlich ab neun Uhr traf die Flotte der Transporter hier ein und dreht seitdem lustig ihre Runden.

Eigentlich hatte ich gedacht, alles griffbereit zu haben, aber heute war ein guter "Trennen-Tag" und so kam dann doch noch das ein oder andere Teil mehr dazu. Dann fiel mir auch noch der Dachboden ein, auf dem ich in meinem damaligen Umzugsübermut tatsächlich noch das ein oder andere abgestellt hatte. Vor allem Bettwäsche und Kleidung. Die Bettwäsche wird nie wieder passen, da ich inzwischen auf größere Decken umgestiegen bin, mal ganz abgesehen von Farben und Mustern. Ich hab wirklich mal in lila Bettwäsche geschlafen? :shock: Und mit der Kleidung war es ähnlich. Wird bestimmt mal wieder modern, aber ob ich das noch erlebe?

Nun sind ja Kleidung und überhaupt Textilien, kein Fall für den Sperrmüll, aber mein Gedanke war, dass ich es immernoch wieder rein holen könnte, wenn es morgen noch draußen steht. Dass es letztendlich nicht mal den Boden vorm Haus berührt hat, muss ich wohl kaum betonen.

Nun machte ich aus allen Quellen erst mal Sammelhaufen, die ich dann ruckzuck vor das Grundstück verfrachten konnte. Alles aus dem Keller wurde vor den äußeren Kellereingang gestellt. Damit hatte ich in den vergangenen Jahren schon gute Erfahrung gemacht. Der Sperrmüllsammler ist gern bereit das Gelump mit nach oben zu tragen, wenn ihm das exklusiven Zugriff beschert. Und ich muss wenigstens nicht alles allein nach oben schleppen.

Und auch in diesem Jahr lief alles wie gehabt: kaum öffnet ich die Haustür mit einem als Sperrmüll zu erkennenden Tütchen in der Hand, hielt ein Bus und man erwartete mich brav vor der Gartenpforte, um mir ebendies Tütchen erwartungsvoll aus der Hand zu nehmen. Als dann alles aus dem Haus getragen und die Tür geschlossen war, lud ich den wahrscheinlich polnischen Staatsbürger ein, mir beim Transport der Sachen vor der Kellertür zu helfen. Wozu er natürlich sofort bereit war.

Kaum waren wir uns zwei oder drei Mal auf dem Wege mit und ohne Kram in der Hand begegnet, fragte er mal an, ob ich nicht jemanden bräuchte, der meinen Garten macht. Nö, das mach ich allein. Ist ja kaum noch was, das meiste hab ich ja an meine Nachbarin abgegeben. Hm, nix zu holen.
Und nach ein paar weiteren Wegen, meinte er wohl, dass nun genug Zeit vergangen sei und man mal auf den Punkt kommen könnte: "Haste Mann?"
Ups, ich war so verblüfft, dass ich erst mal wahrheitsgemäß mit "Nein" antwortete, was, wie mir sofort siedendheiß bewusst wurde, natürlich ein Fehler war. Mist, Mist, Mist! Deshalb setzte ich auch sofort ein "Aber einen Freund" hinterher.
Bedauernde Blicke auf seiner Seite. Ob ich nicht eine Frau für ihn wüsste. Äh, nee, also so auf die Schnelle fiel mir da echt keine ein.
Ob ich meinen Nachbarn Grabowski kennen würde (er machte eine ausschweifende Bewegung in Richtung Nord, Ost, Süd, West), der hätte vielleicht eine Frau für ihn. Nö, Grabowski kenn ich nicht.
Inzwischen war dann auch das letzte Teil, der olle Radiator aus dem Keller, im Wagen verstaut. Ich wünschte ihm noch viel Glück bei der Frauensuche und er mir einen schönen Tag und so zog er von dannen.

Vielleicht werden wir ja demnächst Nachbarn, wenn das mit der Frau vom Grabowski klappt.