Perlendrehen Teil 3 – das Zubehör
Es gibt ein paar Sachen, ohne die es beim Perlendrehen einfach nicht geht. Ich will versuchen mich kurz zu halten. Ehrenwort.
Perlendorne: Das sind Stäbe, auf denen die Perle gedreht wird. Aus Edelstahl, damit man sie auch schön heiß machen kann. Meistens sind sie so um die 2-3 mm im Durchmesser, es gibt aber auch z.B. Dorne für Ringe, die dann entsprechend größer sind.
Man kann Perlendorne fertig kaufen, aber es eignen sich z.B. auch Edelstahlschweißstäbe oder Fahrradspeichen, die man sich entsprechend kürzt. Merke: der Perlendreher ist erfinderisch.
Trennmittel: Eine Sache, die zu Glaubenskriegen führen könnte.
Es gibt diverse Trennmittel fertig zu kaufen. Von ganz billig, bis ganz teuer. Zum Teil geheimnisumwobene Mittelchen, deren Preis vermuten lässt, dass sie Teile vom Weißen des Auges eines Einhorns enthalten, das um drei Minuten vor Mitternacht an einem Heiligabend gefangen wurde, während einer gleichzeitigen Mond- und Sonnenfinsternis. Man kann sie auch nach einem der bewährten Rezepte aus dem Internet selbst anmischen. Sie enthalten Kaolin und diverses andere Beigaben (z.B. Graphit).
Mit Wasser angerührt werden die Perlendorne dort ein paar Zentimeter hineingetunkt und dann lässt man das Trennmittel vor Gebrauch der Dorne trocknen.
Wozu der ganze Zinnober? Würde man das heiße Glas ohne Trennmittel auf den Perlendorn auftragen, würden die beiden sich für alle Zeiten miteinander verbinden. Trennbar nur mittels Hammer oder ähnlich brutaler Werkzeuge.
Durch das Trennmittel hat man eine Schicht, die sich später mit Wasser vom Dorn lösen lässt und mehr oder weniger mühsam aus Perle entfernt werden muss.
Übrigens kann es auch mal passieren, dass das Trennmittel während des Perlens reißt, weil man vielleicht ein bisschen grob damit umgegangen ist. Dann hilft kein fluchen und lamentieren, das Glas wird sich nicht mehr vom Dorn lösen. Daraus werden dann nette Blumentopfstecker, von denen bestimmt jeder Perlendreher ein paar zu Hause hat.
Abkühlgranulat oder Ofen: Hier wird meistens Vermiculit verwendet, ein Mineral, das auch als Dämmstoff eingesetzt wird. Man braucht es, damit die fertige Perle nicht zu schnell abkühlt. Dann würden Spannungen entstehen und das Glas würde zerspringen.
Deshalb kühlt man die Perle nach Fertigstellung im hinteren Teil der Flamme ab und “dreht” sie dann in ein Gefäß mit Vermiculit. Hier darf sie sich dann je nach Größe, eine bis mehrere Stunden entspannen. Vielfach werden auch Perlenöfen verwendet. Hierbei werden die Perlen über ein bestimmtes Temperaturprogramm über Stunden gezielt abgekühlt.
Werkzeuge: Für den Anfang braucht man nicht viel. Etwas zum Schieben, vielleicht ein Buttermesser. Etwas zum Einstechen, eine Graphitmine. Aus dem Baumarkt lässt sich vieles zweckentfremden. Spachtel, Pinzetten, Zangen. Nur hitzestabil muss das Werkzeug schon sein. Einfach mal in die Besteckschublade gegriffen. Welcher Perlie hat schon noch das Besteck für 12 Personen komplett?
Viel kann man auch mit dem Glas allein machen. Zum Einstechen oder Verziehen eignen sich auch selbstgemachte Stringer. Das sind aus dem heißen Glasstab dünn gezogene Glasfäden.
Brenner: Hierüber könnte man wohl Bücher schreiben. Ganz kurz: es geht vom Baumarkt-Dosenbrenner von unter 20 € bis zum Profibrenner für mehrere tausend Euro. Die günstigeren Varianten verbrennen nur Propan und nehmen sich den Sauerstoff aus der Luft. Dafür sind sie ziemlich laut und werden nicht so heiß.
Die teureren Modelle verbrennen neben Propan Sauerstoff, der meistens von einem oder mehreren Sauerstoffkonzentratoren geliefert wird. Also noch eine zusätzliche Anschaffung. Dafür sind sie schön leise und haben eine heißere Flamme, die auch genauer eingestellt werden kann.
Didymium- oder ACE-Brille: Ohne Schutzbrille sollte man generell nicht perlen. Es fliegt doch das ein oder andere Glasteilchen mal von der Stange ab und da sollten die Augen gut geschützt sein.
Hält man das Glas in die Flamme, hat man eine sehr helle gelbe Natriumflamme, in der man so gut wie nichts mehr erkennen kann. Deshalb braucht man einen Filter, der das Gelbe aus der Flamme herausfiltert. Mit der Filterbrille kann man genau sehen was man in der Flamme macht.
Auf jeden Fall ist das Perlen für die Augen schon ziemlich anstrengend und die Anschaffung einer guten Schutzbrille sollte mit zur Grundausstattung beim Perlen gehören.
Das war nur das Nötigste. Wer jetzt seinen Kredit noch nicht überzogen hat, kann sich noch viele andere schöne Dinge anschaffen, wie… Perlenpressen, diverse Werkzeuge aus Edelstahl, Graphit oder Messing, Fritten (feines Glas zum Dekorieren), Glitterpulver, Mineralien, Edelmetalle wie Gold oder Silber als Folie oder Draht, teure Spezialgläser und so weiter und so weiter. Die Auswahl ist schier endlos.
Aber für den Anfang bieten viele Händler Starterpacks an, die für einen reellen Preis das Nötigste enthalten. Haben sie einen damit erst mal geködert, ist sowieso alles zu spät. Spätestens beim Studium der ganzen Perlenforen, wird einem klar, was man unbedingt und umgehend noch alles kaufen muss.
Und im nächsten Teil wird dann auch endlich der Brenner angeschmissen. Genug mit dem Vorgeplänkel.
Perlendrehen Teil 2 – das Glas
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Montag, 8. Oktober 2007, 18:40 Uhr |
kobalt |
Allgemein, aus Glas |



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