Feuer marsch! Jetzt geht es endlich richtig los. Und bevor es zu Missverständnissen kommt: dies ist meine Art der Arbeit mit dem Glas. Wer es anders macht, der macht es halt anders.

Noch mal alles überprüfen: Die Dorne sind fertig getunkt und getrocknet, das Glas liegt bereit, die Absaugung läuft, ebenso der Sauerstoffkonzentrator. Die Propangasflasche ist aufgedreht, das Vermiculit steht bereit, die Brille ist auf der Nase. Noch mal überlegen, ob man sich die Nase putzen möchte oder den Kopf kratzen, denn gleich hat man alle Hände (also beide) voll zu tun und kann erst mal nicht mehr ablegen. Alles klar? Also vorsichtig das Propangasventil am Brenner öffnen und das ausströmende Propan/Sauerstoff-Gemisch entzünden.
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Nun geht es los. Auch wenn man sich jetzt am liebsten sofort an die Arbeit machen würde, muss erst mal das Glas, also die erste Glasstange, die man benutzen möchte, langsam erwärmt werden. Würde man sie so zackzack in die Flamme halten, bekäme sie einen Schrecken und würde in tausend Teile zerspringen. Also die Spitze schön langsam, hinten durch die kühlere Flamme wedeln. Das braucht Geduld.
Hat man die Stange dann an die Hitze gewöhnt, dann hält man sie im hinteren Teil der Flamme schön warm. Nun bekommt auch die zweite Hand Arbeit. Sie greift sich einen vorbereiteten Dorn und hält ihn ebenfalls in die Flamme. Der kann allerdings mehr Hitze ab und braucht nicht ganz so vorsichtig behandelt werden. Das Trennmittel muss zwar gut durchgeglüht sein, damit es keine Gase abgibt, wenn das Glas drauf kommt (das gibt dann Bläschen, die im schlimmsten Fall die Perle zerstören können), aber auch nicht bis zur Weißglut gebracht werden, sonst kann es reißen. Also ein schönes Mittelmaß.
Ist der Stab durchgeglüht, werden die Plätze getauscht. Der Perlendorn nach hinten, das warme Glas nach vorne. Und dort bekommt es jetzt schön Hitze. Die Spitze wird langsam anfangen zu glühen und die Konsistenz verändert sich. Je heißer, desto flüssiger wird das Ganze. Ich bringe ein etwa 3 cm langes Stück Glas zum Glühen und es ballt sich an der Spitze zu einem Blob zusammen. Das muss schön balanciert werden, damit es nicht runter fällt. Die Konsistenz ist etwa so wie flüssiger Honig. Und nun beginnt das eigentliche Perlendrehen.
Der Dorn, der sich bei einem Rechtshänder in der linken Hand befindet, wird waagerecht vorne knapp unter die heiße Flamme gehalten. Den Glasblob lässt man nun von oben (Stange senkrecht halten) auf den Dorn fließen. Und das ist der Moment, in dem man beginnt den Dorn langsam zwischen den Fingern zu drehen. Man trägt also Runde um Runde flüssiges Glas auf den Dorn auf. Hat man nicht genug heißes Glas, schmilzt man eben welches nach. Und es wird gedreht und gedreht und gedreht und das Drehen hört bis zur fertigen Perle nicht mehr auf.
Hat man nun genug Glas auf dem Dorn, dann kann man den Glasstab ablegen und sich der Ausformung der Perle widmen.
Das Glas wird nun erst mal gut erhitzt (drehen, drehen, niemals aufhören) und dann mittels Hitze und Schwerkraft geformt. Heißes Glas hat immer das Verlangen, sich zu einer Kugel zu formen, was unserem Anliegen ja schon recht nahe kommt. Optimal wäre dann nur noch, wenn sich der Dorn (also das spätere Loch) in der Mitte befände. Das ist eine Sache, die geübt werden muss. Dazu muss man das Glas warm machen, wieder aus der Flamme nehmen und drehen, drehen, drehen. Schön gleichmäßig. Nicht zu schnell und nicht zu langsam. Wieder in die Flamme, heiß machen und wieder aus der Flamme und formen. Und irgendwann hat man dann an allen Stellen gleich viel Glas und damit wäre die Perle schon fertig. Das war es. Jedenfalls wenn man eine einfarbige, ganz einfache Perle haben möchte.
Nun wird sie noch im hinteren Teil der Flamme ein wenig abgekühlt und wenn sie innen nicht mehr rot glüht und somit nicht mehr weich ist, wird sie in das Töpfchen mit Vermiculit hineingesteckt. Hier darf sie ein paar Stunden langsam abkühlen.

Da man aber in vielen Fällen keine ganz einfache einfarbige Perle haben möchte, beginnt nach dem Ausformen dann die Dekoration. Oder manchmal kommt das Ausformen auch erst nach dem Dekorieren. Je nachdem, was man mit der Perle anstellt. Man arbeitet mit verschiedenen Farben, die man ineinander verzieht oder verwirbelt, man “malt” Schnörkel mit feinen Glasfäden auf die Perle und versieht sie mit einem Klasglasüberzug, man trägt Silberfolie auf und erhält so verschiedene Reaktionen mit unterschiedlichen Farben. Der Gestaltung sind fast keine Grenzen gesetzt, außer die der eigenen Fähigkeiten. Manche Perlen sehen “dramatisch” aus, sind aber mit einer ganz einfachen Technik hergestellt. Manche Perlen sehen eher unscheinbar aus, sind aber mit einer ganz ausgefeilten Technik entstanden. Und manche Perlen sehen so aus, als ob sie nicht von menschlicher Hand gemacht sein könnten.

Beim nächsten Mal werde ich noch erzählen, wie die Perle nun zu ihrem Loch kommt (noch haben wir ja ein rundes Glas an einem Dorn) und auch ein paar Links angeben. Zum Gucken und Staunen.

 

Perlendrehen Teil 1

Perlendrehen Teil 2 – das Glas

Perlendrehen Teil 3 – das Zubehör

Perlendrehen Teil 5 – die Nacharbeit und Allgemeines