Bitte, bitte, bitte…
…halte nur noch knappe 100 km durch. Das war mein Gedanke beim Belauschen von zwei Zugbegleitern in meinem dritten und letzten Zug auf der Rückfahrt heute.
Natürlich hatten alle Züge mehr oder weniger Verspätung. Natürlich waren alle Züge voll bis brechend voll. Natürlich war es entweder zu warm oder zu kalt. Und natürlich habe ich zwischendurch überlegt, ob die Zugfahrten am Freitag wirklich eine gute Entscheidung waren. Aber mit dem Auto hätte ich auch noch aktiv fahren müssen. Und im Zug kann man wenigstens unzufrieden vor sich hindrömeln und sich auf den nächsten windigen Bahnsteig freuen, auf dem man 10-15 Minuten auf den nächsten verspäteten Zug warten muss.
Jedenfalls hatte ich im letzten Zug keine Lust mehr mir noch einen Sitzplatz zu suchen und da es nur noch eine halbe Stunde von zu Hause entfernt war, hab ich mich einfach in den Vorraum gestellt und doof geguckt.
Und dann kam die Sache: Zwei Zugbegleiter trafen sich zwischen meinem Aufenthaltsort und dem Vorraum des nächsten Wagons, also dort wo die Züge zusammengekoppelt sind und beäugten misstrauisch irgendwas unter ihnen. Dann bekam ich diese paar Gesprächsfetzen mit: …ist das noch lauter geworden???? …hab schon Bescheid gesagt. …kommt sich das gleich angucken.
Als sie merkten, dass ich sie beobachtete, verschwanden sie auf die andere Seite und die automatischen Türen schlossen sich. Dort wurde weiter palavert. Irgendwann kam dann eine Zugbegleiterin mit einem Telefon, dass sie einem der beiden anderen reichte und alle rauschten an mir vorbei nach vorne.
Nääää, dachte ich, bitte nicht irgendwo jetzt noch mitten in der Landschaft anhalten und solche Späße. Bitte noch knappe 100 km durchhalten. Und sorry, liebe Mitreisenden, aber nach mir die Sintflut.
Immerhin, so erkannte ich erfreut, stand ich auf der Seite des Triebwagens. Also auf der Gewinnerseite. Sollte sich der Rest des Zuges an dieser Stelle von allen anderen unbemerkt ablösen, so würde ich noch mit dem Taschentuch hinterher winken, aber ansonsten so tun, als wäre nichts gewesen. Wie? Da war noch mehr Zug, da hinten? Ist mir gar nicht aufgefallen.
Aber ich wurde erhört und erreichte mein Ziel mit 20 Minuten Verspätung.
Und jetzt geh ich mal googlen, ob grade irgendwo ein herrenloses Stück Zug gefunden wurde.

photo credit: onkel_wart
2 comments
Freitag, 14. November 2008, 18:20 Uhr |
kobalt |
Allgemein, Tagesschau |



Hast Du denn keine Angst gehabt, dass mehr passiert, als stehen bleiben oder ein paar Waggons, die stehen bleiben!? Örrghs, bei den ganzen Nachrichten über Hartmuts Bahn, da mache ich mir beim Lesen Deiner Geschichte irgendwie andere Gedanken!
Gut dass Du gesund und munter zu Hause angekommen bist!
Ich fahre im Dezember auch noch zweimal am WE mit der Bahn – Berlin und Dortmund, ich bin gespannt, was ich dann berichten muss!?
Ein bisschen komisch war mir anfangs schon, aber was soll ich mich verrückt machen?
Selbst wenn ich gefragt hätte was los ist, hätten die in jedem Fall schön geredet.