Die Sonne guckt grade so raus und schon wird meine Sportstunde nach draußen verlegt. Wie lange hab ich da jetzt drauf gewartet.

Das Rad wird ein bisschen abgestaubt, die Reifen aufgepumpt und los geht es. So sehr hat die Kondition nicht mal gelitten und auch am zweiten Tag tut der Hintern nicht so weh, dass ich an Pause denke. Und auch andere Dinge sind wie immer.

Die lieben Mit-Verkehrsteilnehmer. Also Radfahren ist auf jeden Fall gefährlicher als Autofahren. Man ist an allem viel dichter dran, kein Blech und Kunststoff dazwischen und man muss viel mehr reagieren. Autofahren ist vorhersehbarer, Radfahren ist Abenteuer.

Ich bin meistens nicht allzu langsam unterwegs und kündige mich dem vor mir mittels Klingel an. Und schon wird es spannend. Wie reagiert das vor mir. Schön wär es, wenn Radfahrer oder Fußgänger einfach ein wenig nach rechts ausweichen würden, um mir damit anzuzeigen: ich habe dich gehört und mache Platz.
Aber dieses Verhalten ist eine Rarität. Da geht es von umdrehen (und dabei nach links lenken), über absteigen (das sind die, die sowieso mit einer Geschwindigkeit unterwegs sind, dass man sich wundert, dass sie nicht umfallen – gutes Gleichgewicht!) bis zu links rüber fahren. Frag mich dann immer ob die in einem Linksverkehr-Land aufgewachsen sind. Rechts überhole ich nur sehr ungerne. Könnte ja doch sein, dass sie auf einmal merken, dass wir Rechtsverkehr haben und auf einmal rüber ziehen. Oder was es auch gibt ist gar nicht reagieren. Entweder bis ich klingle und schreie oder einfach vorbei ziehe. Dabei erschrecken sie sich dann und fallen fast vom Rad. Worried

Immer wieder spaßig sind frei laufende Hunde. Man weiß nie was sie tun und sie gehorchen nicht, auch wenn der Besitzer das behauptet. Im letzen Jahr hat mich so ein riesen Vieh fast vom Rad geholt. Er war schon mal um die Ecke vorgelaufen, Frauchen kam auf dem Rad hinterher und konnte mich noch nicht sehen. Und wenn so ein Kalb mit Bellen und Knurren auf eine zurast, ist das schon nicht so ein tolles Gefühl. Zum Glück konnte ich irgendwie ausweichen, weiß bis heute nicht wie ich das gemacht habe und bin auf dem Rad geblieben. Jede Oma hätte er platt gemacht. Und vor lauter Schreck (Adrenalin bis oben hin), hab ich das Frauchen böse beschimpft. Puhh. Happy

Probleme versprechen auch Gruppen von Stöckchenträgerinnen. Die gibt es eigentlich nur weiblich. Hab noch nie einen Mann mit Stöckchen gesehen. Jedenfalls schnattern die so dermaßen, dass sie den Rest der Welt komplett abschalten. Da muss man brüllen. Dann springen sie nach rechts und links auseinander, hüpfen noch mal auf die andere Seite rüber und aufatmen kann man erst, wenn man es durch den Haufen durch geschafft hat.

Einen Höhepunkt ala Slapstick hatte ich im letzten Jahr. Fahrbahnarbeiten und der Radweg war ganz schmal abgetrennt. Darauf war ein Bauarbeiter mit einem langen Brett unter dem Arm unterwegs. Brett in Fahrtrichtung. Ich komme näher, klingle, er dreht sich halb um und der Film nahm seinen Lauf. Eine Vollbremsung konnte verhindern, dass ich Brett und Träger in einen Kreisel verwandelte.

Ich bin übrigens ein toller und vorausschauender Fahrradfahrer. Wenn ich Fahrrad fahre. Genau so bin ich ein toller und vorausschauender Autofahrer. Wenn ich Auto fahre. Big Grin