Juli 2010

Die Qual der Wahl

Im Labor steht der Kauf eines neuen Gerätes für mich an. Ersatzbeschaffung nennt man das, weil die alte Gurke nun schon über 15 Jahre auf dem Buckel hat und nicht mehr Stand der Technik ist, außerdem langsam die Ersatzteile ausgehen. Also muss ein neues her. Da unser Land seine Steuergelder lieber anderweitig ausgibt, sagen wir das nun schon im dritten Jahr und endlich wurden wir erhört.
Wär die Gurke vorher kaputt gegangen, wär der Stress wieder ins Unermessliche gewachsen. Denn nicht die Herren Geldverteiler sitzen dann da mit meinen Proben, die nicht bearbeitet werden können, sondern ich.

Drei Firmen kommen überhaupt nur in Frage, Firma 4 sagt gleich mal, dass sie für unser Budget nicht mal den Außendienstler vorbei schicken.

So haben Chef und ich uns auf gemacht und Donnerstag Gerät A beguckt und vorführen lassen, sind dann abends zu Standort B gefahren und haben und am Freitag Gerät B beguckt. Gerät C ist am Dienstag dran.

Erst mal ist das total anstrengend. Überall muss man was essen und bekommt Kekse vorgesetzt und sitzt den ganzen Tag nur rum und redet und läuft vielleicht mal drei Schritte ums Gerät rum, um dann abends wieder zum Essen eingeladen zu werden. Puh! Ausgleich ist dann im Hotel nicht den Fahrstuhl, sondern die Treppe zu nehmen.

Bei Gerät A sieht man sich dies und jenes an und fragt seine vorbereiteten Fragen, lässt die mitgebrachten Proben vermessen und hat wieder neue Fragen. Bei Gerät B läuft der Tag dann anders ab als bei Gerät A und plötzlich hat man andere Fragen, auf die man im Vorfeld und bei Gerät A gar nicht gekommen ist und überhaupt lässt man sich viel mehr zeigen, weil man es auch angeboten bekommt. Zudem hat man so viel Input in den zwei Tagen, dass der Kopf nur so qualmt. Dabei hat man Gerät C noch gar nicht gesehen.

Und auf dem Bahnhof sind wir vorab schon mal zu dem Ergebnis gekommen, dass wir gern das Gerät A hätten, allerdings mit der Software und den Applikations- und Serviceleuten von Gerät B, der Empfindlichkeit von Gerät A und ich wette, Gerät C bekommen wir auch noch mit eingebaut.

Die Hoffnung, dass eine Demo am Gerät die Entscheidung erleichtern würde, ist jedenfalls verflogen. Ich bin gespannt, was wir dann nach dem Dienstag sagen.

Chemicals
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Zwei und zwei dauert manchmal länger

Meine Eltern fahren in den Urlaub. Irgendwie fahren die immer, wenn hier in unserer Stadt die Hölle die Tür aufmacht um mal zu lüften. Temperaturen jenseits von 30 °C scheinen mir zur Urlaubzeit meiner Eltern die Normalität zu sein.

Das bringt dann ein kleines Problem mit sich: Eigentlich bin ich von der Gartenbewässerung befreit, denn da kommt schon seit Jahren jemand von so einer Firma, die Langzeitarbeitslose und schwer vermittelbare Menschen beschäftigt. Aber dieser Mann ist nicht das hellste Licht auf der Torte und meistens ertränkt er einen Teil der Pflanzen und den anderen macht er grad mal bügelfeucht. Ich hab dann immer ein schlechtes Gewissen, weil ich weiß, dass bei meiner besten Mama der Welt jede Pflanze einen Namen hat und versuche Schadensbegrenzung zu betreiben. Aber dabei bin ich meistens auch nicht so gut und am Ende des Urlaubs müssen meine Eltern einen Batzen neue Pflanzen kaufen.

Aber ich komme vom Thema ab. Der Mensch also hat diesmal irgendwann abends vergessen den Wasseranschluss zu schließen, das Dosierteil ist durch den Druck vom Schlauch gesprungen und als ich am nächsten Tag mal nach dem Rechten sah, waren etliche Kubikmeter Wasser im Erdreich versickert. Natürlich nicht im Garten, sondern auf der Terrasse. Sehr ärgerlich, denn da meine Eltern keinen Brunnen haben (das ist jetzt bohren in offenen Wunden für einen Beteiligten), muss das Wasser bezahlt werden.

Nun sind meine Eltern wieder zurück, es hat die ganzen zwei Wochen nicht einmal geregnet. Mein bester Papa der Welt ruft mich letzte Woche abends an und fragt, ob wir vielleich doch ziemlich viel Regen gehabt hätten, die Zisterne im Garten sei bis oben hin voll. Und bevor sie losgefahren sind, wäre sie ratzekahl leer gewesen.
Aber nein, nicht einen Tropfen Regen hatten wir. Da muss ein richtiger Platzregen nur ein paar Kilometer von meiner Wohnung runter gegangen sein und mein eigener Garten hat nicht ein bisschen abbekommen. Gemein. Wir wundern uns, aber finden keine andere Erklärung.

Gestern sitze ich bei meinen Eltern auf der Terrasse und mein Papa und ich reden über die wundersame Zisternenfüllung, die wir uns überhaupt nicht vorstellen können. Immerhin sind das mehrere hundert Liter Regen und davon habe ich überhaupt nichts mitbekommen. Wir sitzen und grübeln. Unerklärlich das.

Als meine Mutter fragt, wo denn eigentlich das weggelaufene Wasser hingelaufen sei… *vornkopfhau Hitze macht blöd.

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