Die Qual der Wahl
Im Labor steht der Kauf eines neuen Gerätes für mich an. Ersatzbeschaffung nennt man das, weil die alte Gurke nun schon über 15 Jahre auf dem Buckel hat und nicht mehr Stand der Technik ist, außerdem langsam die Ersatzteile ausgehen. Also muss ein neues her. Da unser Land seine Steuergelder lieber anderweitig ausgibt, sagen wir das nun schon im dritten Jahr und endlich wurden wir erhört.
Wär die Gurke vorher kaputt gegangen, wär der Stress wieder ins Unermessliche gewachsen. Denn nicht die Herren Geldverteiler sitzen dann da mit meinen Proben, die nicht bearbeitet werden können, sondern ich.
Drei Firmen kommen überhaupt nur in Frage, Firma 4 sagt gleich mal, dass sie für unser Budget nicht mal den Außendienstler vorbei schicken.
So haben Chef und ich uns auf gemacht und Donnerstag Gerät A beguckt und vorführen lassen, sind dann abends zu Standort B gefahren und haben und am Freitag Gerät B beguckt. Gerät C ist am Dienstag dran.
Erst mal ist das total anstrengend. Überall muss man was essen und bekommt Kekse vorgesetzt und sitzt den ganzen Tag nur rum und redet und läuft vielleicht mal drei Schritte ums Gerät rum, um dann abends wieder zum Essen eingeladen zu werden. Puh! Ausgleich ist dann im Hotel nicht den Fahrstuhl, sondern die Treppe zu nehmen.
Bei Gerät A sieht man sich dies und jenes an und fragt seine vorbereiteten Fragen, lässt die mitgebrachten Proben vermessen und hat wieder neue Fragen. Bei Gerät B läuft der Tag dann anders ab als bei Gerät A und plötzlich hat man andere Fragen, auf die man im Vorfeld und bei Gerät A gar nicht gekommen ist und überhaupt lässt man sich viel mehr zeigen, weil man es auch angeboten bekommt. Zudem hat man so viel Input in den zwei Tagen, dass der Kopf nur so qualmt. Dabei hat man Gerät C noch gar nicht gesehen.
Und auf dem Bahnhof sind wir vorab schon mal zu dem Ergebnis gekommen, dass wir gern das Gerät A hätten, allerdings mit der Software und den Applikations- und Serviceleuten von Gerät B, der Empfindlichkeit von Gerät A und ich wette, Gerät C bekommen wir auch noch mit eingebaut.
Die Hoffnung, dass eine Demo am Gerät die Entscheidung erleichtern würde, ist jedenfalls verflogen. Ich bin gespannt, was wir dann nach dem Dienstag sagen.

photo credit: aperture7.1
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Samstag, 31. Juli 2010, 7:53 Uhr |
kobalt |
Allgemein, Tagesschau |



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